Scientology – The Truth Rundown [Part 3]

Hochrangige Aussteiger geben einen noch nie da gewesenen Einblick in Scientology.

Scientology-Chef David Miscavige ist der Schwerpunkt dieses Spezial-Reports der St. Petersburg Times. Ehemalige Scientology Führungskräfte, darunter auch zwei der ehemaligen Lieutenants von Miscavige, sind an die Öffentlichkeit getreten, eine Kultur der Einschüchterung und Gewalt unter David Miscavige zu beschreiben.

TEIL 3 VON 3 – Kirchliches Recht

Die vier hochrangigen Führungskräfte, welche Scientology verlassen haben, sagen heute, dass der Führer der Kirche, David Miscavige, nicht nur sein Führungspersonal körperlich angegriffen hätte, sondern auch deren Psyche angreifen würde.

Des öfteren ließ er Gruppen von Managern in einen Pool oder einen See springen. Er beorderte sie zu Gruppengeständnissen, die teilweise darin endeten, dass jeder jeden angriff, inklusive Personen, die sich schlugen.

Mike Rinder, der die Kirche über zwei Jahrzehnte gegenüber der Kirche verteidigte, konnte nicht mehr vertragen, was innerhalb dieser vor sich ging.

Diese Taktiken, Führungskräfte auf Linie zu halten „sind [auch] aus einem Scientology-Blickwinkel falsch“, sagt Rinder, der vor zwei Jahren ausstieg. „Das ist keine Standardmethode in Scientology. Diese Methoden sind einfach nicht human. Sie sind vielmehr ausgesprochen böse.“

Sprecher der Kirche bestätigen, dass Manager zum Sprung ins Wasser genötigt und zu Gruppengeständnissen beordert werden. Dies sei Teil des Systems „kirchlicher Rechtssprechung“, welche die Kirche für diejenigen vorsehe, welche schwache Leistungen erbringen würden.

Rinder und die anderen Aussteiger hätten sich, so die Meinung der Kirche, nicht in die Sea Organziation von Scientology einleben können, einer Gruppe, die ihr Leben dem Dienst für die Kirche untergeordnet hat. Anstatt ihre eigenen Fehler zu akzeptieren, würden sie ein ganz normale Sache zu etwas Schrecklichem erklären.

Die Sea Org sei eine „Gruppe harter Kerle“, sagt der Sprecher der Kirche, Tommy Davis, selber mit achtzehn Mitgliedersjahren ein Veteran diese Gruppe.

„Die Sea Org ist keine Demokratie. Deren Mitglieder stimmen alle vollständig einem Mann namens L. Ron Hubbard zu. Sie folgen dessen Vorschriften… und sie folgen ihnen bis zum Ende, bis zum letzten Buchstaben und bis zur Interpunktion. Und wenn du mit diesen Vorschriften nicht übereinstimmst oder das nicht magst, bist du halt falsch. Dann musst du die Organisation verlassen.“

Ein besserer Thetan
Die Anordnung kam gegen zehn Uhr abends, im Winter: Appell am Swimmingpool.

Aus der gesamten, herrlich gelegenen Basis der Kirche in den Bergen östlich von Los Angeles kamen rund 70 Mitglieder in ihren Pseudo-Navy-Uniformen angelaufen. David Miscavige war wieder einmal unglücklich mit seiner Truppe.

Die Bestrafung, welche sich der Anführer vorstellte, war nicht neu für die Sea Org Mitglieder. Hubbard, der Gründer der Kirche, ließ Sea Org Mitglieder schon in den 1970er Jahren ins Wasser werfen („overboarded“), als er Scientology von einem Schiff namens Apollo aus leitete.

Miscavige ließ die Angestellten sich in ihren Uniformen in einer Reihe am Sprungbrett aufstellen und dann einen nach dem anderen in den Pool springen. Jedes Mal, bevor eine Person sprang, rief sie Norman Starkey, einst der Captain der Apollo, auf, spirituell zu besseren Wesen zu werden. Er zitierte einen traditionellen Sea Org Spruch:

Wir übergeben deine Sünden und Fehler dem tiefen Wasser und vertrauen darauf, dass du als besserer Thetan aufsteigen wirst.

Miscavige befahl der Gruppe in ihren nassen Sachen in ein Büro zu gehen und dort so lange zu bleiben, bis sie selber herausgefunden hätten, was sie falsch gemacht hatten.

Tom De Vocht sagt, dass er sich nicht erinnern kann, was Miscavige in dieser frostigen Nacht, Anfang 2005, verärgert hatte. Aber erinnert sich sehr wohl an die Zweifel, die in seinem Geist aufstiegen, als er dort nass und zitternd saß.

Was mache ich hier?

De Vocht war der Kirche mit seiner Mutter beigetreten, als er gerade zehn Jahre alt war und stieg zu einem Topverantwortliche im spirituellen Hauptquartier von Scientology in Clearwater, Florida auf. Aber in den Monaten nach dem Massenbaden erkannte er die Organisation nicht mehr wieder.

Ebenso wie Rinder, der in dieser Nacht mit De Vocht in den Pool gesprungen war.

Zwei andere hatten sich schon von ihren Zweifeln leiten lassen. Marty Rathbun, einer der langjährigen Top-Offiziere, hatte die Kirche 2004 verlassen. Amy Scobee, die über die Jahre verschiedene hohe Posten besetzt hatte, trat 2005 aus.

Alle der vier Aussteiger, die sich nun das erste Mal öffentlich äußern, hatten jeweils mehr als 25 Jahre in der Sea Org gedient.

„Richtig, falsch oder unentschieden zwischen beiden Polen, ich fühlte damals, dass ich zu etwas Guten für die gesamte Menschheit beitrug“, sagt De Vocht, der 2005 austrat. „Aber je länger in dabei war, umso verrückter wurde es als David die Führung übernahm.“

Normal vs. abartig
Beichten ist eine elementarer Teil der Kultur in Scientology. Berichte alle deine schlechten Gedanken und Vergehen und du wirst dich frei, fröhlich und sorglos fühlen.

Die vier Aussteiger berichten, dass Miscavige diese Praxis auf ein neues Level gehoben hätte. Sie sagen, dass er so oft Gruppenbeichten einberufen hätte, dass sie als „Seancen“ bekannt wurden.

Die Führungskräfte beichteten Sünden, die sie gegen Miscavige begangen hätten, legten ihre schlechten Gedanken über Scientology offen und eröffneten persönliche Dinge, inklusive ihrer sexuellen Phantasien. Wenn jemand keine Vergehen einfiel, drängten ihn die anderen, irgendetwas zu gestehen. Irgendetwas.

„Und Dave sitzt dabei, hört sich das alles an und findet daran Vergnügen“, sagt De Vocht, der sich an eine Sitzung erinnert, in der er persönlich sah, wie Miscavige erst Marc Yager, einen leitenden Manager, schlug und zu Boden warf und dann Faith Schermerhorn heran rief, eine Verwaltungsangestellte im mittleren Management, die Schwarz ist.

„Er sagte dann ‚Sieh an, (Yager) denkt, alle Schwarzen seien Neger und er möchte nicht, dass Scientology Schwarzen hilft. Los, tritt ihn.‘ Also lag (Yager) auf dem Boden während er von ihr getreten wurde“, berichtet De Vocht.

„Jeder in diesem scheiß Raum – die Menschen wurden dort verrückt und gerieten außer Kontrolle“, sagt er. „Ich schlug jemand. Jeder wurde geschlagen. Und es wurde Geschrien und Beschimpft. Es ist einfach ständig so: Was zur Hölle passiert hier?“

Die Kirche legte der St. Petersburg Times eidesstattliche Erklärungen von Yager und Schermerhorn vor, in der bestritten wird, dass es diese Vorfall gegeben hätte. Yager betont in seiner Erklärung, dass er keine Vorurteile hätte und das Schermerhorn eine Freundin sei.

Schermerhorn schrieb, dass sie niemals gehört hätte, dass Miscavige das N-Wort benutzt hätte. „Um genau zu sein, weiß ich, dass Mr. Miscavige derjenige in Scientology ist, welcher am meisten für Schwarze Menschen getan hat.“

Rinder berichtet, dass eine Gruppenbeichte Anfang 2004 für ihn herausstach, weil Rathbun, sein langjähriger Feind, ihn schließlich angriff.

„Man steht dort in einem Raum mit 50 Menschen, die Rufen und Schreien: Was hast du getan? Und du hast dies getan und das getan. Und ich stand dort und sagte, ‚Nein, habe ich nicht.'“, sagt Rinder.

Die Gruppe tat sich gegen ihn zusammen. Er musste irgendetwas vorbringen: Komm. Mach schon. Irgendwas.

Und als ich dann nichts sagte, sprang mich Marty an“, erzählt Rinder. „Und das ist psychotisch. Es gibt dafür eine Scientology-Bezeichung. Es heißt Kontamination mit einer Anomalie [Contagion of Aberration]. …“

„Wenn man eine Gruppe von Personen beisammen hat, werden die sich gegenseitig dabei stimulieren, verrückte Dinge zu tun.“

Davis, welcher die Position Rinders als Sprecher der Kirche übernommen hat, meint, dass der Begriff „Seance“ in Scientology nicht benutzt wird und das Miscavige niemals Gewalt fördern würde. Aber es sei nicht überraschend, dass Rathbun Rinder angegriffen hätte, sagt Davis, weil Rathbun die ganze Zeit über andere Manager körperlich angegriffen hätte.

Rinder meint, dass dieser unangenehme Moment ein Beispiel für die zerstörerische Atmosphäre in der Basis von Scientology nahe Los Angeles gewesen sei. „Es gibt dort den Drang, Menschen gegeneinander auszuspielen. Und man weiß das dort und sieht es sehr wohl“, antwortet Rinder.

Rathbuns Angriff „war nicht etwas durch Hass auf mich motiviert, sondern geschah aus einem Überlebenswillen heraus.“

Davis zitiert eine Regel des Gründers Hubbard, welche Mitglieder aufruft, sich zu stellen und „die Dinge zu klären“, wenn sie etwas getan hätten, dass die Gruppe gefährden könnte. Dies sei ein Kennzeichen einer erfolgreichen Organisation.

„Das ist nicht dazu da, jemand zu strafen“, sagt Davis, „und es wird bestimmt niemals aus dem Grund angewandt, jemand dazu zu bringen, sich schuldig zu fühlen.“

Die Kirche behauptet, dass Rathbun und De Vocht sich so unangemessen verhalten hätten – sie hätten Angestellte zu hart angefasst –, dass es notwendig wurde, dass sie sich öffentlich bekannten. „Sie waren eindeutig schuldig, schuldig die Konvention der Gruppe verletzt zu haben“, sagt nun die Sprecherin Jessica Feshbach.

„Und wurden sie dabei von ihrem Mitarbeitern konfrontiert und befragt, was los ist? Selbstverständlich. Und zwar, weil dies die Verantwortung der Gruppe ist.“

Die Gruppe fallen zu lassen, kann zum „Überbordgehen“ führen, sagt die Sprecherin. Dies sei ein Sea Org Ritual, ähnlich wie die Traditionen anderer religiöser Orden.

Starkey, der 66-jährige ehemalige Captain der Apollo, sagt, dass in seinen 50 Jahre in Scientology reichlich viele Menschen „Überbordgingen“.

Wenn ein Sea Org Mitglied Scheiße gebaut hatte, „warf man ihm über die gottverdammte Reling des Schiffes“, berichtet Starkey.

„Er fällt ins Wasser, schwimmt um das Schiff herum, klettert die Leiter hinauf, kommt wieder auf dem Schiff an, geht wieder an seinen Posten zurück. Und er tut es nie wieder. Er wusste dann, dass dies die Art war, in der wir agierten. So ist die Sea Organization nun mal.“

Die Anwältin der Kirche, Monique Yingling, sagt, dass das „Überbordgehen“ Teil der kirchlichen Rechtssprechung sei. „Sie [die Verurteilten] verweigern dies nicht und sind auch nicht beschämt,“ sagt sie. Das wäre schon mehrere hundert Mal passiert und es würde Vorsorge getroffen, um diesen Vorgang sicher zu machen.

Bezogen auf das Beispiel, an welches sich De Vocht und Rinder erinnern würden, sagt die Sprecherin der Kirche, dass der Pool beheizt gewesen wäre, Handtücher bereit gelegen hätten und ein Rettungsschwimmer bereit gestanden hätte. Und Miscavige sei nicht mal dabei gewesen.

De Vocht und Rinder behaupten, dass er da war. „Er stand dort und lachte“, sagt Rinder. „Das war für ihn sehr unterhaltsam.“

Rinder kann sich an keine Handtücher erinnern, weder in dieser Nacht noch in den ungefähr zehn anderen Nächten, in denen große Gruppen von Angestellten zum Fluss eskortiert und angewiesen wurden, in voller Kleidung hinein zu springen.

Er widerspricht der Darstellung Yinglings, dass das „Überbordgehen“ großer Gruppen akzeptierte Praxis der Kirche sei. Er behauptet, dass dies nur als individuell eingesetztes Mittel gedacht sei.

So wie der Sprecher der Kirche, Davis, es als Strafe für einen Untergeordneten angewandt hat.

„Dies war ein Typ, der immer und immer wieder abhaute, Fehler machte und geringe Leistung zeigte“, berichtet er. „Es war meine Aufgabe, die ethischen Standards der Sea Org zu schützen. Und ja, fraglos, ich habe den Typen ins Wasser geschmissen.“

Wenn die Aussteiger solche Strafen nicht hätten ertragen können, hätten sie, so Davis, schon Jahre früher gegen können. „Die gottverdammte Tür war nicht verschlossen. Wenn sie also ein Problem mit dem Umgang in Scientology gehabt hätten, hätten sie einfach fortgehen können.“

Streng und zupackend
Die Aussteiger wären nicht nur weich, sie seien zudem nicht in der Lage gewesen, das beschleunigte Arbeitstempo, welches Miscavige etabliert hätte, mitzumachen, sagt die Kirche. Rathbun hätte so viele Aufgaben vermasselt, unter anderem dem Umgang mit den Klagen wegen McPhersons Tod, dass Miscavige gezwungen war, einzugreifen und ihn von anderen Pflichten zu entbinden, behaupten die Sprecher der Kirche.

Nachdem Rathbun gegangen war, hätte Miscavige sich auf neue Wachstumspläne konzentrieren können: „2004 war der Zeitpunkt eines grundsätzlichen Wechsels, der Punkt, an dem sich alles veränderte“, sagt Davis. „Mr. Miscavige war nun in der Lage, dass zu tun, was er schon immer geplant hatte.“

Davis spielte eine DVD mit Scientology-Werbespots, die im Kabelfernsehen laufen, vor. Er hob vor allem ein multimillionen Dollar teures, internationales Expansionsprogramm hervor, dass darauf abzielt, „Ideal Orgs“ zu bauen, jede mit Seminarräumen, in denen den Uneingeweihten Scientology erklärt werden könne, Einrichtungen für lokale Werbegruppen und Räume für das Auditing, dem Kernstück der Beratung in Scientology.

Die Kirche erneuerte ihre Webseite, verbesserte die Bücher, welche die Grundlage von Scientology darstellen und restaurierten körnig gewordene Filme von Hubbards Vorträgen. All dies sei in den letzten vier Jahren erreicht worden, alles angeführt, geplant, designed und erstellt von Miscavige.

Der Sprecher beschreibt Miscavige als Führer, der zupackt, der bei Videoediting hilft, Manuskripte Korrektur ließt, der hilft, Texte zu schreiben, der ganze Nächte auf bleibt, um jede einzelne von Hubbards 3.000 Vorlesungen zu hören und der eine Konstruktionsbüro aufbaut, um die 66 neuen Gebäude, welche die Kirche seit 2004 neu erworben hat, auszustatten.

Miscavige sei streng, sagt der Sprecher der Kirche, aber er würde niemals erniedrigend, plump oder gewalttätig handeln und niemals die Vorschriften der Kirche verändern. Die Kirche brachte mehrere Dutzend internationale Manager nach Clearwater, nur um mit der Times zu reden. Diese berichteten alle, dass sie seit Jahren mit Miscavige zusammen arbeiten würden und sprachen von dessen Liebenswürdigkeit und Mitgefühl.

Sie bestritten allesamt die Vorwürfe der Aussteiger, dass Miscavige sie geschlagen hätte.

„Das sind einfach Lügen“, sagt Ray Mithoff mit bebender Stimme. „Ich kenne den Man seit 27 Jahren.“

Mark Ingber, seit 1968 Sea Org Mitglied, sagt: „In meinem ganzen Leben wurde ich nicht einmal geschlagen. Mr. Miscavige ist mein Freund.“

Der Beste und Schlechteste
In der Nacht vor Weihnachten 1997 rief Miscaviges Frau, Michelle, bei Rathbun und bei Rinder an. Der Anführer wünschte sie zu sprechen. Sofort.

Aus verschiedenen Teilen des Komplexes in Kalifornien joggten zu seiner Unterkunft.

Sie berichten, dass Miscavige in einem Bademantel aus der Tür gerannt kam, ohne ein Wort Rinder am Hals packte, ihn schlug, schüttelte und gegen einen Baum drückte.

Rinder landete im Efeu, mit einer schmutzigen Uniform und blutenden Lippen. Miscavige führte die beiden dann in die Offizierslounge, goss Rinder einen Scotch ein und meinte, dass er sich danach besser fühlen würde.

Der Führer von Scientology drehte sich um und verschwand in seinen Räumen.

Die Menschen würden zusammen zucken, wenn Miscavige vorbei kam, berichtet De Vocht.

„So alltäglich war das alles“, sagt er. „Er stellte es so dar, als wären alle hinter ihm her. Alles was jemand anders anfasste, wurde vermasselt und dann müsste er es selbst tun. Er vertraute niemandem.“

Scobee beschreibt, wie sie in einer Kabine an der Wand eines großen Konferenzraumes arbeitete. Miscavige saß allein an einem Tisch, von wo er zahlreiche Angestellte überblicken konnte, inklusive Jeff Hawkins.

„Ich achtete nicht besonders darauf und auf einmal sah ist, wie David Miscavige am Kopf des Tisches aufspringt – also dem Tisch im Konferenzraum“, berichtet Scobee.

Er sprang Hawkins an, sagt sie, und beide landeten vor ihren Füßen. Miscavige „stand über ihm, würgte und schlug ihn und riss an dessen Schlips. Knöpfe flogen und Kleingeld fiel aus Jeffs Hosentasche. Und ich saß da und dachte, ‚Oh mein Gott!'“

Über diesen Vorfall hat Hawkins seit 2002 öffentlich gesprochen und geschrieben.

David Bloomberg, eine Führungskraft der Kirche, erzählt eine ziemlich andere Geschichte. Bloomberg erzählt, dass er an diesem Tag neben Hawkin saß und dieser zunehmend streitsüchtig wurde. Hawkins sei schließlich aus seinem Stuhl aufgesprungen und hätte sich in Miscaviges Bein verbissen.

„Mr. Miscavige hat Jeff Hawkins nicht angefasst“, betont Bloomberg.

Im besten Falle würde Miscavige seine Angestellten inspirieren, sagt Rathbun und erinnert sich, wie der Führer einen Text, den Hubbard in den 80er Jahren geschrieben hatte, anführte: Das Schicksal des Planeten würde auf den Schultern „einiger Weniger“ lasten.

Miscavige nutzte diesen Text, um einen Sinn für die gemeinsame Mission zu erzeugen und dazu beizutragen, dass sich jemand als etwas Besonderes fühlte, erzählt Rathbun.

„Er machte, dass du dich wirklich Wichtig fühltest. Und das war der Grund, warum du für ihn Sachen machtest.“

Aber die Aussteiger berichten auch, dass Miscaviges Hang dazu, Pläne zu ändern, in kleinteilige Managementaufgaben einzugreifen und Befehlsketten zu unterlaufen das Managementteam vollständig gelähmt hätten und das mögliche Wachstum zumindest in den Jahren, bevor sie Scientology verließen, erstickte. Rathbun berichtet, dass Miscavige, um den Gewinn zu steigern, alte Scientologybücher und Dienstleistungen neu verpackt und den Anhängern als neue Produkte und must-haves verkauft hätte.

Er verwies auf die neue Kampagne, die versucht den Mitgliedern neue Versionen der „Basics“ zu verkaufen, einer Sammlung von Hubbards Büchern, welche die Grundlage von Scientology darstellen würden. 2007 erzählte Miscavige den Scientologen, dass die Bücher, welche sie über Jahrzehnte gekauft und studiert hatten, mangelhaft wären, dass in ihnen ganze Seiten fehlen würden, dass sie überholt wären oder zum Teil von den Herausgebern umgeschrieben wurden.

Aus diesem Grund sei es auch kein Wunder gewesen, schloss der Anführer, dass sich Menschen darüber beschwert hatten, die Basics nicht verstehen zu können. Deshalb hätte die Kirche die Bände verbessert und würde sie neu verkaufen.

Rathbun berichtet: „Er sagt das (den Anhängern) genau so direkt ins Gesicht: ‚Du warst nicht in de Lage, auch nur den kleinsten Teil über Scientology zu verstehen, weil das einfach unmöglich war, einfach weil die Bücher unbrauchbar waren.'“

Die Sammlung aus 18 Bänden wird nun für 450 Dollar [rund 320 Euro] verkauft, wobei der Preis 1986 noch 738 Dollar betrug [rund 525 Euro].

Davis, der Sprecher der Kirche, beschreibt die überarbeitete Sammlung als sensationelle Entwicklung, als historische Wiederentdeckung des Werks Hubbards, vergleichbar mit den Fund der biblischen Schriftrollen von Qumran am Toten Meer.

Yingling, die Anwältin der Kirche, ergänzt: „Sie wurden von der Scientology-Öffentlichkeit mit großer Freude angenommen.“

Rathbun, De Vocht und Scobee berichten, dass sie Zugang zu den wöchentlichen Datenreporten hatten, die einen allmählichen Rückgang der grundlegenden Statistiken zeigten, inklusive des Werte der verkauften Dienstleistungen der Kirche, der Anzahl der Auditingstunden und der bestandenen Kurse.

„Das sind die Statistiken, die als Wichtigste angesehen werden“, sagte Rathbun. „Und die gehen alle runter.“

De Vocht beschreibt die Entscheidungsfindungsprozesse von Miscavige als unberechenbar. Der Anführer würde oft Entwicklungen einfach ändern, was zu Situationen wie dem multimillionen-Dollar teuren „Super Power“ Gebäude im Zentrum von Clearwater führen würde. Die kolossale Struktur, deren Außenseite schon längst fertiggestellt ist, wird seit sechs Jahren nicht mehr weiter gebaut.

Nach einer mehrfachen Änderung des Design, sollen die Arbeiten an der Innenausstattung in diesem Monat angeblich wieder beginnen.

Davis und Yingling feiern hingegen die weltweite Expansion von Scientology. In den letzten fünf Jahren hätte die Kirche 80 Grundstücke erworben, drei neue „Kirchen“ – genannt Orgs – wären in diesem Jahr eröffnet worden und fünf weitere würden bis Ende des Jahres fertig werden.

Ist dies das wahre Leben?
Sie nannten es das Loch.

Für Monate war ein kleines Gebäude in der Scientology-Basis in Kalifornien für dreißig der höchstrangigen Offiziere der Sea Org eine Art Gefängnis.

Sie durfte das Gebäude einmal am Tag zum Duschen verlassen, ansonsten mussten sie in diesem Haus bleiben. Das Essen wurde ihnen gebracht. Sie schliefen auf dem Boden, die Männer neben dem Konferenztisch, die Frauen in den Arbeitskabinen und den kleine Büros um den Konferenzraum herum.

Miscavige berief zu absurden Zeiten Meetings ein, zwei Uhr Morgens, vier Uhr. Tag für Tag kämpften sich die erschöpften Führungskräfte durch die Managementstruktur und das Preissystem der Dienstleistungen der Kirche und versuchten herauszufinden, was ihr Anführer von ihnen wollte.

Er lehnte ihre Ideen ab, verwünschte sie, erklärte sie zu „Suppressive Persons“, welche die Kirche in Gefahr bringen würden. Er verlangte, dass sie an ihre Arbeit zurück gingen und teilte ihnen mit, dass sie erst gehen dürften, wenn sie ihre Aufgabe erfüllt hätten.

Manchmal entließ Miscavige jemand aus dem Loch oder warf jemand anders hinein. Rinder berichtet, dass er von Anfang an dabei war. Im Januar 2004 fügte Miscavige De Vocht zu dieser Gruppe hinzu.

„Alle waren um den Tisch versammelt. Er warf mit Sachen, schrie Personen an, schlug sie“, erinnert sich De Vocht. „Lasst mich das so sagen: es war eine abgedrehte Szenerie.“

Im gleichen Monat trug Miscavige eine wichtigen Namen zum Personal des Lochs hinzu: Marty Rathbun.

Der Anführer sagte den anderen, sie sollten nicht auf ein Wort, dass Rathbun sagte, hören. Ihm wäre nicht zu trauen: Ich weiß, ihr habt ganzen Jahre über gelernt, diesen Typen zu respektieren, aber er ist der Typ, der mich am meisten fertig macht.

Einige Tage später, so berichtet Rathbun, hätte Miscavige seinen Kopf an die Wand geschlagen und heftig auf das linke Ohr geschlagen, weil er nicht hart genug zum restlichen Personal gewesen sei. Er schloss daraus, dass es das wäre, was Miscavige von ihm im Loch wollte.

Das Gebäude bestand aus kleinen Büros und einem Konferenzraum und war hinter zwei großen Trailern versteckt. Wenn Miscavige den Flur entlang ging, produzierte der Hohlraum einen klatschenden Sound.

Vier Tage nach der Ankunft von Rathbun signalisierte der blechernde Sound die Ankunft Miscaviges, wie immer von seiner Frau begleitet, die Notizen machte und einem Assistenten mit einem Rekorder, der alles aufnahm, was der Anführer zu sagen hatte, damit es transkribiert und in der Basis verteilt werden konnte.

Miscavige verkündete, dass sie eine Runde „Reise nach Jerusalem“ spielen würden, um herauszufinden, wer sich von ihnen am meisten seiner Aufgabe verpflichtet hätte. Alle, außer der Gewinner, würden auf weit entfernte Scientology-Außenposten versetzt werden.

Einige der Angestellten weinten bei der Vorstellung, von ihren Familien getrennt zu werden. Andere machten sich bereit, stellten die Stühle um den neun Meter langen Konferenztisch aus Ahornholz auf.

Miscavige benutzte einen Rekorder, um Bohemian Rhapsody von Queen zu spielen.

Is this the real life?
Is this just fantasy?
Caught in a landslide
No escape from reality

Als die Musik stoppte, stießen sich die Sea Org Mitglieder von den Stühlen, rempelten sich an. Zwei der Männer kämpften so hart, dass ein Stuhl unter ihnen zerbrach.

Den Verlierern wurde mitgeteilt, wohin sie geschickt würden. Ehepartner merkten, dass sie tausende von Kilometern entfernt eingesetzt würden. Rinder berichtet, dass Miscavige sich über einen Ehemann lustig machte, der sich um seine in Tränen aufgelöste Frau sorgte.

„Oh ja“, sagt Rinder. „Das war alles ein lustiges Spiel.“

Wieder behaupteten die Vertreter der Kirche, dass die Aussteiger etwas Normales so aussehen lassen würden, als sei es krankhaft. Miscavige hätte nur versucht, einen Argument rüber zu bringen, indem er eine Anweisung von Hubbard visualisierte, welche besagen würde, dass ständige Personalwechsel wie ein Spiel „Reise nach Jerusalem“ wären und eine Gruppe schaden könnte. Miscavige hätte nur gewollt, dass die Gruppe verstünde, wie zerstörerisch so etwas wirken kann.

Yingling behauptet, dass Miscavige eine Zeit lang nicht in der Basis gewesen sei und bei seiner Rückkehr herausfand, dass Rathbun hunderte Angestellte einfach umgesetzt hätte. „Und das war der Grund, warum es nicht voran ging“, sagt sie.

Rathbun und Rinder sagen genau das Gegenteil: Nichts wäre fertig geworden, weil Miscavige die Topmanager von ihren Posten entfernt und ins Loch gesperrt hätte. Rathbun berichtet weiter, dass er von Miscavige gerade deshalb niedergemacht wurde, weil er nicht genügend Leute umgesetzt hätte.

Vom späten Abend bis zu den frühen Morgenstunden des nächsten Tages sei dieses Spiel gegangen, manchmal unterbrochen durch Vorhaltungen des Anführers über die Inkompetenz der Gruppe.

„Es war wie Apocalypse Now“, sagte Rathbun. „Es war bizarr.“

Das Spiel endete, als zwei Frauen um den letzten Stuhl kämpften.

„Das war eindeutig ein richtiger Kampf, sie rangen miteinander“, erinnert sich Rathbun. „Und dann ging (Miscavige) mit den Worten, ‚Okay, gut. Wir sehen uns dann verdammt nochmal Morgen.'“

Seine Drohungen, massenhafte Umsetzungen vorzunehmen, machte Miscavige niemals wahr.

Einmal zu viel geschlagen
In der nächsten Nacht ließ Miscavige seine Führungskräfte vom Loch zu einem Gebäude rennen, in dem Angestellte CDs mit frühen Vorlesungen von Hubbard produzierten.

Noch als die Gruppe wegen des 350 Meter Laufs nach Luft schnappte, begann Miscavige De Vocht nieder zu machen, welcher die Renovierung des Gebäudes geleitet hatte. Er schlug De Vocht, warf ihn auf den Boden und begann ihn zu würgen.

De Vocht erinnert sich nicht mehr, warum er angegriffen wurde. Vielleicht hatte er bei einer Antwort gezögert. Vielleicht hatte er in einer Art geschaut, die dem Führer nicht gefiel. Was auch immer der Grund war, er akzeptierte sein Prügel in einer unterwürfigen Weise.

Miscavige wurde nur noch wütender, wenn jemand Schmerz zeigte oder sich widersetzte, berichten die Aussteiger.

„Du sitzt wirklich dort und denkst daran, dass du diesen Typen nicht schlagen wirst“, sagt De Vocht. „Es passiert so plötzlich, was willst du also tun? Und selbst wenn du dich wehren willst, wie viele Menschen sind da um dich herum, die dann auf dich einschlagen würden? Du verstehst, dass dieser Ort alle Menschen so fanatisch unterwürfig macht, dass es einem Angst macht.“

Scobee sagt, dass die Führungskräfte in den kalifornischen Basis eingesperrt seien. Sie wagen es nicht, über Miscaviges Verhalten zu sprechen, weil sie Angst haben, dass könnte in den „Sicherheitschecks“ genannten Beichtrunden herauskommen.

Jemand, der schlecht über Miscavige reden würden, sagt Scobee, würde das vielleicht während seiner Beichte zurückhalten, aber jemand anders würde das dann fraglos berichten.

„Also willst du gar nichts gegen ihn unternehmen“, sagt sie. „Das war keine denkbare Alternative, so unglaublich das scheint. Jetzt, nachdem ich ausgestiegen bin, würde ich ganz anders vorgehen.“

Für die Mitglieder der Sea Org ist der persönliche Kampf noch schwerer. „Du unterwirfst dein Leben der Kirche und glaubst, dass das dein Weg in die Freiheit ist“, berichtet Scobee. „Das ist ein großes Ding… und das willst du nicht einfach so wegwerfen. Das willst du einfach nicht riskieren.“

Warum nicht einfach gehen?

Das ist einfach zu erklären, laut Rinder.

Scientology predigt Selbstverantwortung. Du allein kontrollierst deine Umgebung, deine Lebenssituation ist nur von dir abhängig und von niemand anders.

Aber noch wichtiger ist, dass Scientology behauptet, dass mit dir, wenn du die Kirche verlässt, etwas falsch läuft. Irgendwo in deiner Vergangenheit muss es dann einen „Overt“, ein Vergehen, gegeben haben.

„Das wird zu einem großen Widerspruch“, sagt Rinder. In einer unglücklich Situation zu verbleiben ist kein Weg, um deine Umwelt zu kontrollieren. „Aber wenn ich gehe, tue ich auch etwas Falsches. Das wird zur Zwickmühle.“

Für Rinder hat sich Scientology, von etwas, dass er es kannte und liebte, zu etwas entwickelt, dass ihm fremd war. Es entwickelte sich ein zunehmend merkwürdiges und ausbeuterisches Klima.

Das war auch im Widerspruch zum freundlichen, zuvorkommenden Bild, dass die Kirche seit über zwanzig Jahren von sich zu verkaufen sucht. Diese Nachricht hat Rinder, der Hauptsprecher, die ganze Zeit über vermittelt: Die Kirche hätte sich von den Gesetzesbrüchen und schmutzigen Tricks der 1970er Jahre entfernt und sich selbst neu erfunden.

„Wir hatten einfach mit Dingen aufgehört, die ich und andere als dumm, verletzend und außerhalb der Regeln ansahen“, sagte Rinder.

Außer zu hause.

Er meint: „Das Ironische ist, dass das was intern getan wird, dumm, verletzend und außerhalb der Regeln ist.“

Rathbun hat über die Jahre zahllose Prügel gesehen und ausgeteilt. Aber als Miscavige in dieser Nacht nach dem „Reise nach Jerusalem“-Spiel De Vocht angriff, änderte sich Rathbuns Denken.

Vier Tage früher hatte Miscavige, als er Rathbun ins Loch steckte, die anderen angewiesen, nicht mit Rathbun zu sprechen. Aber De Vocht unterlief diese Anweisung und fragte Rathbun um Hilfe bei ihrem Versuch, herauszufinden, was Miscavige von ihnen wollte. Nun wurde De Vocht verprügelt.

„Ich sah, wie dies ablief und auf einmal hatte ich eine unglaublich Verbindung… diese menschliche Verbindung mit Tom [De Vocht]“, sagt Rathbun. „Es war dieser einfache Gedanke: ich konnte sehr viel ertragen, aber jetzt war es zuviel.“

„Ich hatte immer noch einen Stückchen Würde und ich sah jetzt, wie diese Würde bei den Menschen um mich herum vernichtet wurde. Was würde ich tun? Wurde ich zu einem von ihnen?“

Als der Rest der Gruppe ins Loch zurückgeführt wurde, machte Rathbun nicht mehr mit und versteckte sich in einigen Büschen. Er holte heimlich sein Motorrad, schob es zum Hinterausgang des Komplexes und versteckte sich für weitere zwanzig Minuten. Als das Tor für ein Auto geöffnet wurde, gab er Gas.

Rathbun berichtet, dass er sich wütend und verloren fühlte, gemixt mit einer gewissen Spannung.

„Ich war berauscht davon, dass ich diesen Schritt gewagt hatte und drehte auf, weil ich dachte, dass mir jemand folgen würde.“

Quelle: http://www.tampabay.com/news/scientology/article1012575.ece

Weiterlesen: Teil 1 , Teil 2

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