Ein Palästinenser in New York

Neun Mitgliederstaaten der UN-Vollversammlung stimmten mit „Nein“ für einen Beobachterstatus Palästinas bei den Vereinten Nationen und 41 enthielten sich der Stimme. Es ist ganz interessant sich anzuschauen, wer wie votiert hat und warum.

Bild: AFP - Stan Honda
Bild: AFP – Stan Honda

Die Tschechische Republik ist das einzige Land in Europa, das mit „Nein“ gestimmt hat. Warum gerade die Tschechische Republik? Während seines Besuches in Prag im Mai bezeichnete Benjamin Netanyahu die Tschechische Republik als Israels besten europäischen Freund. Die Tschechische Republik hat eine lange Geschichte in der Unterstützung Israels, obwohl die Europäische Union sich zu einem der lauteren Kritiker Jerusalems entwickelte. Im Jahr 2009 zeigte das Land Unterstützung für Israel während der Operation „Cast Lead“. Tschechien erklärte, dass Tel Aviv das Recht hätte, sich gegen Angriffe aus Gaza zu verteidigen.

Die USA, Kanada und Australien sind ebenfalls traditionell auf Seiten Israels.

Kanada war nicht glücklich mit der Entscheidung Palästinas Status aufzuwerten, da dieser die Friedensverhandlungen im Nahen Osten behindern würde. Der kanadische Außenminister John Baird sagte, man wolle jetzt die Beziehungen zur Palästinensischen Autonomiebehörde überdenken.

Ein paar Inselstaaten im Pazifik stimmten auch gegen den palästinensischen Beobachterstatus. Das könnte für einige eine Überraschung sein, aber wenn man weiter sucht, liegen die Gründe ganz offen. Die Marschall Inseln wählen traditionell gleich wie Israel und die USA; ebenso Mikronesien und Nauru.

Palau ist Israel auch treu ergeben und Abstimmung zugunsten Israels ist wohlmöglich sehr lukrativ. Im letzten Jahr, kurz bevor einer Abstimmung in der UNO, erklärte Palaus Präsident, dass die Vereinigten Arabischen Emirate ihm 50 Millionen Dollar angeboten hätten wenn er die Seiten wechsele. Er sagte, er habe abgelehnt.

Vanuatu, ein weiterer traditioneller Verbündeter Israels, enthielt sich der Stimme dieses Mal aus unbekannten Gründen.

Spaß beiseite, dieser Artikel der Huffington Post von 2011 erklärt, wie die israelische Lobby agiert:

A tally of 110 or 115 states would be considered a „Pyrrhic victory“ for the Palestinians. So Jewish groups are looking to the Caribbean for support by meeting with representatives of Haiti, Jamaica, the Bahamas, Barbados, St. Lucia and Antigua. They are talking with Central American countries such as Panama and Costa Rica.

In Eastern Europe, Poland, Hungary, Romania, Slovakia and Bulgaria are being lobbied as possible „no“ votes. Kenya is on the list. So are Pacific Island nations such as Kiribati and Vanuatu.

Wie auch immer, Palästina hat bei den Vereinten Nationen gewonnen. Aber was nun? Es gibt ein Palästina in New York, aber es gibt kein Palästina in Palästina. Einen Tag nach der UN-Abstimmung billigte Israel den Bau von 3.000 neuen Wohnungen in jüdischen Siedlungen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem, im Wesentlichen sagend: „F*ck You!“ – Palästina, den Vereinten Nationen und der Welt.

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