Buch: Der Mythos der Christenverfolgung

Moss - Myth of Persecution

Jeder hat schon davon gehört, dass die frühen Christen im römischen Reich in der Arena zusammengetrieben und an die Löwen verfüttert wurden.

Nun, das ist niemals passiert.

So lautet die These in dem Buch „The Myth of Persecution: How Early Christians Invented a Story of Martyrdom“ von Candida Moss, Historikerin an der Universität von Notre Dame. Moss argumentiert, dass die Geschichten einer weit verbreiteten Verfolgung von tapferen christlichen Märtyrern durch das römischen Reich, während der ersten Jahrhunderte nach Jesus Tod, stark übertrieben und oft einfach frei erfunden sind.

Für Christen war die Kreuzigung das Ereignis, dass alles veränderte. Vor dem Tod Jesu und der Entstehung des Christentums interpretierten Menschen der Antike Unterdrückung, Verfolgung und Gewalt als ein Zeichen, dass ihre Gottheit entweder zornig oder unfähig war. Die Kreuzigung Jesu zwang seine Anhänger, dieses Paradigma zu überdenken. Der Tod ihres Anführers wurde als Triumph umgestaltet und die Erfahrung der Verfolgung wurde Zeichen einer erhöhten moralischen Stellung, ein Abzeichen der Ehre. Das Genius der Jesus-Bewegung war seine Fähigkeit, irdische Schmerzen von göttlicher Strafe zu trennen. Als Ergebnis identifizierten Christen sich als unschuldige Opfer, sie verknüpften ihre Leiden mit denen von Jesus und verbanden die Quelle dieser Leiden mit den Kräften, die Jesus getötet hatten. Von Anfang an, war die Opferrolle fest verbunden mit der christlichen Psyche.

In Wirklichkeit sahen die Römer, in den ersten 250 Jahren des Christentums, die Praktizierenden dieser Religion meistens als aufdringliche Mitglieder eines abergläubischen Kultes an. Die römische Regierung verfolgte Christen aktiv nur etwa 10 Jahre lang, schreibt Moss, und selbst dann nur periodisch.

Moss sagt, der frühchristliche „Verfolgungswahn“ wirkt bis in die heutige Zeit und beeinflusst z.B. die politische Debatte in Amerika. Der „War on Christmas“ ist ein Beispiel für einen modernen Martyriumsmythos.

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