Kultureller Vandalismus

Maya-Tempel Nohmul
Maya-Tempel Nohmul

Die mutwillige Zerstörung von religiösen Artefakten, einschließlich derer von bedeutendem archäologischen Wert, ist barbarisch und symptomatisch für eine rückständige Denkweise. In den letzten Jahren gab es mehrere Fälle der sinnlosen Zerstörung dieser Objekte: Die Sprengung der Bamiyan-Buddhas in Afghanistan durch die Taliban und die Schändung von Gräbern in der antiken malischen Stadt Timbuktu durch Islamisten.

Die Geschichte ist mit böswilliger Zerstörung von Kultstätten und religiöser Artefakte übersät. Allerdings sind es nicht nur religiöse Fundamentalisten, die diese sinnlosen Verwüstungen durchführen. Andere bizarre ideologische Überzeugungen, ob politische oder soziale, waren auch Motivator für die gleichen sinnlosen Akte der Zerstörung.

Nohmul (wörtlich: großer Hügel) ist eine präkolumbische Stätte der Maya auf der Yucatan-Halbinsel. Vor kurzem wurde eine Pyramide aus der Zeit um 250 v.u.Z., von einer Baufirma, die Kies und Kalkstein als Füllmaterial für den Bau einer Straße in der Nähe brauchte, fast vollständig zerstört. Der Eigentümer der Firma ist ein lokaler Politiker.

Leider ist es nicht ungewöhnlich, unbezahlbare Schätze unseres menschlichen Erbes zu verunstalten, um schnelles Geld zu machen.

Auch in Oxford, Alabama wurde ein 1500 Jahre alter Hügel, auf dem sich Artefakte von amerikanischen Ureinwohnern befinden, eingeebnet, damit dort ein Einkaufszentrum gebaut werden kann. Der Bürgermeister von Oxford bezweifelt die historische Relevanz, behauptet stattdessen, von dort wurden „nur Rauchzeichen gesendet.“ Nicht überraschend gibt es eine finanzielle Verbindung zwischen den Investoren des Bauprojektes und dem Bürgermeister.

Diese Gleichgültigkeit gegenüber der Vergangenheit hat aber nicht nur direkt Beteiligte erfasst.

Als die Nachricht über Nohmul die Medien erreichte, hat auch die Huffington Post darüber berichtet und die Leser haben einhellig ihre Empörung bekundet. Dazwischen trifft man allerdings immer wieder auf Kommentare, die einen Facepalm wert sind. Hier sind zwei:

The pyramids are shrines to gods, priests and religiously appointed leaders who are best forgotten for the horrors they caused. If history weren’t noticed or recorded, then there would be no precedents that make today’s massacres and genocides seem small by comparison. Historic precedents are a precursor to worse horror. As for future inventions based on today’s technology, well that’s not based on history, but on what is today. Therefore, bulldozing the Belize Nohmul Pyramid for something that’s needed today is okay.

und

It might be wise to bulldoze all the sites of human sacrifice on the earth – unless you still think there’s an outside chance that it saves us.

Es ist nicht klar, ob diese Beiden Christen sind. Jedenfalls zeigen sie keinen Respekt für das kulturelle Erbe Anderer. Das hat mit unzureichendem Wissen über Weltgeschichte und grundlegendem soziologischen und psychologischen Verständnis zu tun. Sie glauben offenbar, dass diese vorgeschichtlichen Strukturen Vorstufen von schlimmem Horror sind. Sie auszulöschen kann uns retten. Nach deren eigener Logik müssten wir deshalb alle Kirchen, Moscheen usw. zerstören.

Ich schlage vor, dass wir den Vatikan zu Straßenbelag transformieren, weil der gesamte Komplex „Priester und religiös ernannte Führer repräsentiert, die wir, für die Schrecken, die sie verursacht haben, besser vergessen sollten.“

Nur ein kleiner Schritt für einen Meschen, eine große Lücke für die Menschheit.

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