Der biblische ein-Mann-eine-Frau-Mythos

In einem gemeinsamen Gastkommentar, im Altoona Herald Anfang des Monats veröffentlicht, wollen drei biblische Experten – Robert R. Cargill, Kenneth Atkinson und Hector Avalos – ein paar Dinge klarstellen, in denen es um die Ehe und die Bibel geht:

„Als akademische Bibelwissenschaftler, möchten wir klarstellen, dass die biblischen Texte nicht die häufige Behauptung unterstützen, dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, die einzige Art von Ehe als akzeptabel durch die biblischen Autoren ist.“

Sie wiesen darauf hin, dass:

Die Tatsache, dass die Ehe nicht nur, als zwischen einem Mann und einer Frau festgelegt ist, wird im Eintrag über „Ehe“ in dem autoritativen Eerdmans Dictionary of the Bible reflektiert: „Die Ehe ist ein Ausdruck verwandtschaftlicher Familienmodelle, in denen in der Regel ein Mann und mindestens eine Frau öffentlich und dauerhaft, als eine elementare soziale Einheit, zusammenleben“ (S. 861).

Um ihre Aussagen zu belegen, zitieren die Autoren mehrere Abschnitte der Bibel:

Die Formulierung „mindestens eine Frau“ bestätigt eindeutig, dass Polygamie nicht nur erlaubt, sondern dass einige polygame biblische Gestalten (z.B. Abraham, Jakob) besonders gesegnet wurden. In 2. Samuel 12:08, sagt der Autor, dass es Gott war, der David mehrere Frauen gab: „und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Weiber in deinen Schoß, und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben; und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazutun.“

In der Tat gab es eine Vielzahl von Verbindungen und Familienkonstellationen in den Kulturen, die die Bibel hervorbrachten, die zulässig waren, und diese reichten von Monogamie (Titus 1:6), zu solchen, bei denen Opfer von Vergewaltigungen gezwungen wurden, ihre Vergewaltiger zu heiraten (Deuteronomium 22:28-29) bis zu jenen Schwagerehen, die einen Mann verpflichteten die Witwe seines Bruders, unabhängig von des lebenden Bruders Familienstand, zu heiraten (Deuteronomium 25:5-10; Genesis 38; Ruth 2-4). Andere bestanden darauf, dass das Zölibat die bevorzugte Option sei (1. Korinther 7:08).

Obwohl manche Jesu Auslegungen der Genesis 2:24 in Matthäus 19:3-10 als Billigung der Monogamie sehen, räumten Jesus und andere jüdische Interpretierer ein, dass es auch nicht-monogame Einsichten dieser Passage im antiken Judaismus gab, einschließlich jenen die Scheidung und Wiederheirat erlaubten.

In der Tat, während einer Diskussion über die Ehe in Matthäus 19:12 ermutigte Jesus selbst diejenigen, die sich selbst für „das Königreich“ kastrieren und ein Leben im Zölibat leben.

Ezra 10:2-11 verbietet gemischtrassige Ehen und befiehlt jenen von Gottes Volk, die bereits ausländische Frauen haben, sich sofort scheiden zu lassen.

Also, während es nicht akkurat ist, zu sagen, biblische Texte würden Ehen zwischen Menschen des gleichen Geschlechts zulassen, ist es ebenso falsch zu erklären, dass eine „Ein-Mann-und-eine-Frau“-Ehe die einzig zulässige Form der Ehe ist, die in biblischen Texten als legitim angesehen wird.

Die Autoren folgern daraus:

Dies ist nicht nur unsere moderne, wissenschaftliche Meinung. Diese Ansicht der Mehrfachdefinition der „biblischen“ Ehe ist von einigen der bekanntesten Namen der Christenheit anerkannt. Zum Beispiel schrieb der Reformator Martin Luther einen Brief im Jahre 1524, in dem er über Polygamie wie folgt kommentierte: „Ich gestehe, dass ich einer Person nicht verbieten kann, mehrere Frauen zu heiraten, denn es widerspricht nicht der Heiligen Schrift.“

Mit anderen Worten: wir müssen uns gegen Versuche schützen, antike Texte zu verwenden, um moderne Ethik und Moral zu regeln. Vor allem jener alten Texte, deren Billigung anderer sozialer Praktiken, wie Sklaverei, die heutzutage allgemein, auch durch die meisten Anhänger des Christentums, verurteilt würden.

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