Lautsprecher und Moscheen

Eine Moschee in Oxford, England plant, den Muezzin-Ruf zum Gebet über Lautsprecher auszustrahlen. So zumindest lauten Berichte die seit einigen Tagen verbreitet werden. Der Ursprung ist ein Daily Mail-Artikel von Januar 2008 – also sechs Jahre alt. Warum man den jetzt wieder ausgegraben hat kann ich gegenwärtig nicht nachvollziehen. Der Artikel selbst ist zwar nicht datiert, aber eine kurze Suche hilft da weiter:

Screenshot: Der zweite Knall/Daily Mail
Screenshot: Der zweite Knall/Daily Mail

Der Artikel kolportiert, die Gebetsrufe würden ein „muslimisches Ghetto“ schaffen und die „gutnachbarlichen Beziehungen“ belasten. Eine deutschsprachige Webseite schreibt sogar, der „Muezzin-Gesang soll ungläubige Anwohner vertreiben“. Da ist wohl ein Fehler bei der Übersetzung passiert. Diese Aussage findet sich weder bei der Daily Mail noch in anderen Artikeln.

Natürlich ist die ganze Angelegenheit nicht so einfach wie sie dargestellt wird. Zuerst einmal muss die Stadtverwaltung eine Genehmigung für die Ausstrahlung erteilen (was ich für unwahrscheinlich halte). Und selbst wenn die Moschee grünes Licht bekommen würde – solange Kirchenglocken läuten ist die ganze Empörung, die da an den Tag gelegt wird, reine Heuchelei. Gleiches Recht für alle.

Ausserdem hat die Moschee später dementiert das solche Pläne existieren. Man sollte also nicht alles unbesehen glauben was die Daily Mail publiziert.

PS: Es gibt natürlich keine islamisch-religiösen Gebote Lautsprecher beim Gebetsruf zu verwenden. Lautsprecher werden im Koran oder anderen islamischen Texten, wie den Hadithen, nicht erwähnt. Das musste zum Schluss noch gesagt werden.

PPS: Es gibt ein einfaches Mittel, solche Informationen zu verifizieren. Es nennt sich Recherche.

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