Tuam: Die Mähr von den achthundert toten Babies im Abwasserbecken

Dank dem Wohlwollen moderner „Qualitäts“-Medien, die scheinbar mehr daran interessiert sind ihre Leser mit schlüpfrigen Gorno anstatt Fakten zu versorgen und dank eines Twittermobs, ständig auf der Jagd nach Dingen durch die man sich demonstrativ empört zeigen kann, schlug die Geschichte über Babies, von Nonnen eines Heims für „gefallene Frauen“ in eine alte, nicht mehr verwendete Klärgrube geworfen, Wellen in jedem Winkel des Globus.

tuam-home

Die meisten dieser „Fakten“ stammen aus einer oberflächlichen Zusammenfassung eines Facebook-Posts der Historikerin Catherine Corless, deren Recherche den Fall ans Licht brachte.

Corless sagt in einem aufschlussreichen Artikel in der Irish Times, dass die Umstände des Begräbnisses der Kinder von den Medien größtenteils falsch wiedergegeben werden:

What has upset, confused and dismayed her in recent days is the speculative nature of much of the reporting around the story, particularly about what happened to the children after they died. „I never used that word ‚dumped‘,“ she says again, with distress. „I just wanted those children to be remembered and for their names to go up on a plaque. That was why I did this project, and now it has taken [on] a life of its own.“

Im Licht von Corless Entdeckung sind die Nachrichten in den Medien auf der ganzen Welt schlicht falsch. Am gravierendsten – die Schlagzeile, dass fast achthundert Babyleichen gefunden wurden, ist reine Mythenbildung. Die Zahl stammt nicht von einer Ausgrabung der Überreste, sondern von Corless Nachforschungen im Sterberegister. Es ist nicht bekannt, wo die Leichen begraben wurden. Zu der Zeit war es allgemein üblich, Fremde, Kriminelle, Selbstmörder und ungetaufte Kinder in anonymen Gräbern zu bestatten. Statt 796 Skeletten gibt es nur 796 Sterbeurkunden.

Auch sprach die Irish Times mit Barry Sweeney, einem der Männer, die im Jahre 1975, Skelettreste in der Klärgrube fanden. Er sagt:

„But there was no way there were 800 skeletons down that hole. Nothing like that number. I don’t know where the papers got that.“ How many skeletons does he believe there were? „About 20.“

Daraus können wir also schliessen, dass die weit verbreitete Behauptung, in Tuam wurden achthundert Kinderleichen gefunden, nicht wahr ist; eine Freilegung hat noch nicht statt gefunden. Die Behauptung, die Babies wurden „weggeworfen“ oder „verscharrt“, ist nicht wahr. Und doch, keines dieser Erkenntnisse hat dazu geführt, Berichte über das „Böse in Tuam“ zu revidieren.

Martin Sixsmith, Autor von The Lost Child of Philomena Lee, der Geschichte einer ehemaligen Bewohnerin eines von Nonnen geführten Heims in Irland, die gezwungen wurde, ihr Kind zur Adoption frei zugeben, geht sogar soweit, zu sagen, die Ereignisse in Tuam erinnern ihn an „Massengräber in entlegenen Gegenden in Osteuropa und Russland“. In Tuam, „einem hässlichen Ort“, können wir sehen, dass „Westeuropa nicht immun gegen solche Schrecken ist“, sagt er. Ein Artikel im Irish Independent vergleicht das Heim in Tuam mit dem Nazi-Holocaust, Ruanda und Srebrenica.

So, im Zeitraum von ein paar Tagen wurde aus den Nachforschungen einer Heimatforscherin über den Verbleib von 796 Kindern zu einer hitzigen Diskussion über einen irischen Holocaust – auf eine Stufe mit gestellt mit dem, was die Nazis mit jüdischen Kindern taten. Das Unglaublichste: Niemand hat Catherine Corless um Einsicht in ihre Unterlagen gebeten.

Was für ein Wahnsinn ist das?

Quellen:
Tuam mother and baby home: the trouble with the septic tank story – The Irish Times
What is the real story behind Ireland’s mass grave? – Mercatornet

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