Was hatten wir schon lange nicht mehr?

Na, wer weiß es? Richtig, Plagiatsvorwürfe.

Diesmal hat es jemanden getroffen, der sich selbst „Der Poet“ nennt. Der hat auf Facebook und Instagram mehr als 100.000 Fans und verbreitet dort Sprüche mit Lebensweisheiten. Außerdem hat er zwei Bücher mit diesen gesammelten Sprüchen veöffentlicht. Kürzlich fiel einigen Twitter-Usern auf, dass „Der Poet“ ihre Tweets kopiert hatte und als seine eigenen Gedanken ausgab. (Er machte sich nicht mal die Mühe evt. vorhandene Rechtschreibfehler zu korrigieren.) Beschwerden und kritische Fragen über seine Vorgehensweise wurden mit Löschung der Kommentare, Blockierung und Drohungen über rechtliche Konsequenzen beantwortet.

Man kann über Tweetklau denken, was man will. Rechtlich gesehen ist es eine Grauzone. Wirklich unschön wird es, wenn sich jemand damit eine goldene Nase verdient. So kam es, dass der Deutschlandfunk das Thema aufgriff. Soweit, so gut erstmal.

Doch dann eskalierte das ganze noch weiter (woran ich nicht ganz unschuldig bin), als heraus kam, dass „Der Poet“ komplette Seiten aus Büchern englischsprachiger Autoren ins Deutsche übersetzt hat, ohne auf den Urheber hinzuweisen. Eine Autorin hat vor, Klage einzureichen.

Oben: Übersetzung von „Der Poet“, Unten: Originaltext von Rania Naim

Mittlerweile ist eine ganze Schar von Usern mit der Quellensuche beschäftigt – und es gibt ständig neue Funde. Tja, dumm gelaufen. Wer heutzutage immer noch glaubt, dass das, was man im Internet treibt, nicht nachverfolgbar wäre, muss besonders dämlich sein.

PS: Jetzt ist der Fall auch schon beim Focus angekommen.

PPS: So, ich konnte einfach nicht widerstehen. Das muss auch noch rein:

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Plagiatsaffären waren gestern

Früher haben Politiker „nur“ in ihrer Doktorarbeit geschummelt, heute fälschen sie ihr gesamtes Leben:

Die Essener SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Hinz ist keine Juristin, sie hat weder ein Studium absolviert noch Abitur abgelegt. All das hatte die Politikerin seit Jahrzehnten behauptet.

Gestern sprach Hinz noch von „verleumderischer Diffamierung“. Heute ist ihr Lügen-Lebenslauf, den nie jemand überprüft hat, endgültig aufgeflogen. Ich hoffe ja, wenigstens Hinz Mitgliedschaft in der Karnevalsgesellschaft entspricht der Wahrheit.

petra-hinz-lebenslauf-bundestag

Ihr politisches Engagement „war und ist von Aufrichtigkeit und Integrität geprägt„, erklärt Hinz auf ihrer Homepage.

Gehen Lügen wie ein Ägypter Politiker.

Plagiat statt Atemlos

Eine satirische Analyse des Liedes „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer.

Priester „guttenbergt“ seine Predigten

Reverend John McGinn wurde von seinem Amt bei der St. John’s Episcopal Kirche in Sandwich, Massachusetts, vorläufig beurlaubt. Ihm wird vorgeworfen, dass er Predigten gehalten und unter seinem eigenen Namen veröffentlicht hat, die aus einem Buch namens „Dynamic Preaching“ stammen.

Der zuständige Bischof M. Thomas Shaw schrieb in einem Brief an die Gemeindemitglieder:

This is a serious breach of the pastoral relationship between John and each of you. I am sorry that this matter has caused pain and will likely cause further pain in the parish. As difficult as this situation is, we know that truth telling helps to bring about healing, and our renewal follows repentance.

Man kann als Priester sehr viele schlimme Dinge tun, ohne seinen Job zu verlieren. Plagiieren von Predigten gehört offensichtlich nicht dazu.

via Opposing Views