Willkommen im Überwachungsstaat Nordrhein-Westfalen

Innenminister Herbert Reul (CDU) hat ein neues „Sicherheitspaket“ für NRW vorgestellt.

Die Punkte:

  • TKÜ-Maßnahmen sollen ausgeweitet werden. „NRW-Polizei muss auf verschlüsselte, digitale Kommunikation zugreifen können.“
  • Videoüberwachung von „Angsträumen“ soll ausgeweitet werden und soll auch an Orten möglich sein, die keine „Verbrechensschwerpunkte“ sind.
  • Eingriffsschwelle bei „drohenden terroristischen Gefahren“ soll niedriger werden. „Gefährder“ sollen vorläufig in Gewahrsam genommen werden. Für einen Monat!
  • Einführung von Elektroschockern/Tasern
  • Mehr Befugnisse für Verfassungsschutz.

Und jetzt sprecht mir alle nach: Mehr Sicherheit bringt mehr Freiheit. Mehr Sicherheit bringt mehr Freiheit. Mehr Sicherheit bringt mehr Freiheit.

via Kölnische Rundschau

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Du bist Terrorist

Florian Gallwitz, Professor für Medieninformatik an der Technischen Hochschule Nürnberg, beschäftigt sich mit dem Thema Gesichtserkennung und inwiefern ein solches System in der Lage wäre, gesuchte Terroristen oder Straftäter oder wen auch immer in Menschenmengen zu identifizieren. Er hat dazu ein paar Aufgaben aus einer Klausur veröffentlicht. Es geht darin um den Testlauf eines Überwachungssystems, den das Bundesministerium des Innern (BMI) am Bahnhof Berlin-Südkreuz durchführt.

Auf den ersten Blick könnte man sagen, mehr als 99% werden nicht falsch erkannt. Das ist doch kein so schlechtes Ergebnis. Doch, ist es. Um es noch mal deutlich zu machen: Das Gesichtserkennungssystem erkennt jährlich 3 gesuchte Terroristen. Und 10.000 Menschen werden fälschlicherweise des Terrorismus beschuldigt. Jedes Jahr!

Nehmen wir einfach an die Bundesrepublik wäre flächendeckend mit Überwachungskameras ausgestattet. Das macht dann mehr als 800.000 falsche Verdächtige. Einer davon könntest du sein.

via Florian Gallwitz

Your favorite website is watching you

Es ist mal wieder an der Zeit auf die Notwendigkeit eines Ad- und Skriptblockers hinzuweisen!

Laut einer Untersuchung der Princeton Universität überwachen viele bekannte Webseiten ihre Besucher mithilfe von sogenannten „Session-Replay“-Scripten. Dabei wird jeder Tastaturanschlag, jede Mausbewegung und sogar Formulareingaben (auch wenn man diese gar nicht absendet) aufgezeichnet. Damit könnten sensible Daten, wie Kreditkarteninformationen oder Passwörter, erfasst werden. Diese Skripte stammen hauptsächlich von Drittanbietern, die somit direkt an die Daten gelangen – die unverschlüsselt übertragen werden.

Auf der Liste der betroffenen Seiten stehen unter anderem WordPress, Microsoft, Samsung, Adobe, Spotify, Reuters, Rottentomatoes, Godaddy, Yandex, HP, T-Mobile, Lenovo, Norton, Logitech, Immobilienscout24, 1und1, Seagate und Epson.

Keylogger überall. 😦

via Vice

Update 22. Nov.: Easylist hat die betreffenden Skripte bereits geblockt. Wenigstens gibt es eine gute Nachricht.

Smart City is watching you

Demnächst auch in deiner Stadt: Eine künstliche Intelligenz (KI) überwacht jedes gerade stattfindende Ereignis mit Hilfe von tausenden, zehntausenden Kameras. Sie kann auf Verkehrsstaus und Unfälle, Diebstähle bis hin zu jeder Bewegung der Einwohner in Echtzeit reagieren.

Seit einem Jahr ist dieses Szenario bereits Realität – in der 9-Mio. Einwohner Stadt Hangzhou, China. City Brain, ein Gemeinschaftsprojekt der Tech-Unternehmen Alibaba und Foxconn, nutzt „Big Data“ um der Stadt zu helfen zu „denken“ und Entscheidungen zu treffen. Um das Leben in Hangzhou zu „optimieren“, überwacht das System einfach alles: Jede Verkehrsstörung und jedes Verbrechen, jede Auto- oder Busfahrt, jeder Einkauf und jede Begegnung der Bewohner wird in der KI-Datenbank gespeichert.

Nach dem erfolgreichen Testlauf ist man nun für eine Ausweitung auf andere (nicht nur chinesische) Städte bereit.

Dafür ist Alibaba eine Partnerschaft mit NVIDIA, allgemein als Hersteller von Grafikchips bekannt, eingegangen. NVIDIA arbeitete bisher an der Entwicklung einer eigenen Plattform für KI-Städte namens Metropolis. Nun will man von den jeweiligen Erfahrungen profitieren und bis 2020 mehr als eine Milliarde Kameras installiert haben – weltweit.

Der Alibaba-Manager Xian-Sheng Hua sagte auf der World Summit AI-Konferenz: „In China haben wir weniger Bedenken in Sachen Privatsphäre, deswegen kommen wir schneller voran.“ In Deutschland und Europa kommt man zwar langsamer voran, aber im Ergebnis bleibt es sich gleich – es kommt. Die Grundvoraussetzungen dafür existieren längst.

Privatsphäre der Woche

Kein Nutzer des Anonymisierungsdienstes Tor (oder Internetnutzer im allgemeinen) kann Privatsphäre erwarten, weil er seine Zugangsdaten, inklusive seiner IP-Adresse, an unbekannte Tor-Node-Betreiber (bzw. seinen Provider) weitergibt. Das meint jedenfalls ein US-Richter:

Werdene had no reasonable expectation of privacy in his IP address. Aside from providing the address to Comcast, his internet service provider, a necessary aspect of Tor is the initial transmission of a user’s IP address to a third-party: „in order for a prospective user to use the Tor network they must disclose information, including their IP addresses, to unknown individuals running Tor nodes, so that their communications can be directed toward their destinations.“ United States v. Farrell, No. 15-cr-029, 2016 WL 705197, at *2 (W.D. Wash. Feb. 23, 2016). The court in Farrell held that “[u]nder these circumstances Tor users clearly lack a reasonable expectation of privacy in their IP addresses while using the Tor network.“ Id.; see also Michaud, 2016 WL 337263, at *7 („Although the IP addresses of users utilizing the Tor network may not be known to websites, like [Playpen], using the Tor network does not strip users of all anonymity, because users…must still send and receive information, including IP addresses, through another computer….“).

Entweder, diesem Richter ist keine Begründung zu blöde, um die Privatsphäre weiter auszuhölen, oder er hat die Funktionsweise von Tor/des Internets gründlich missverstanden. Laut dem Dokument hat das FBI den PC des Angeklagten gehackt, um seine IP-Adresse herauszufinden. Der Richter hat da definitiv etwas nicht kapiert.

Um diese Aussagen auch für Laien verständlich zu machen: Ihr habt kein Anrecht auf Privatsphäre in eurer Wohnung, weil der Postbote eure Adresse kennt.

Pressemeldungen from Hell

Hurra, das Wesen der Frau wird entschlüsselt – auf einem Kongress mit einem 88-prozentigen Anteil männlicher Redner:

Screenshot: presseportal.de
Screenshot: presseportal.de

Mal abgesehen von der blödsinnigen Überschrift hat „20 Minuten“ Daten über die Surfgewohnheiten von 100.000 Benutzern abgegriffen und das auch noch mit einer unsicheren App, wenn man den Bewertungen glauben darf. Was tut man nicht alles für die Zukunft der Menschheit Medien.

Neuigkeiten aus dem Jahre 1984

Die Große Koalition im Bundestag hat heute neue Maßnahmen zur „Terrorbekämpfung“ beschlossen. Neben erweiterten Befugnissen für Polizei und Geheimdienste wird die Überwachung der Telekomunikation erleichtert:

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Keine Einigung gab es im Bereich der Förderung von Elektroautos, Missbrauch bei Leiharbeit und der Erbschaftssteuer. Ist ja auch nicht so wichtig.

Quelle: FAZ

Leicht zu verwechseln (XIII)

USA: verbindet sich mit vielen elektronischen Geräten und hat Zugriff auf deine Daten.
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USB: eine Standardschnittstelle für PC-Hardware.
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Bilder: Pixabay (CC0/Public Domain)

Das neue Magazin für Dschihadi-Möchtegern-Hacker

Hier lernen deutsche Daesh-Anhänger, wie man der Kommunikationsüberwachung durch die Geheimdienste entgeht:

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Kybernetiq ist, laut Eigenaussage, „das erste deutschsprachige Magazin von Mudschahidin mit den Schwerpunkten Informationstechnologie, Kommunikation und Sicherheit.“

Der Inhalt besteht allerdings hauptsächlich aus Artikeln, die beschreiben welche Computerprogramme man nicht benutzen sollte. Im Grunde genommen ist alles, mehr oder weniger, nicht-spezielles Computer-„Allgemeinwissen“, das jeder halbwegs technikaffine User kennt und genauso in irgend einer anderen Computerzeitschrift stehen könnte.

kybernetiq_001-8

Viel Lärm um nichts. Naja, während der Hype durch die internationale Presse rauscht, liest man in deutschsprachigen Medien …NICHTS.

Fun fact: Die Herausgeber behaupten von sich, „We are not ISIS“.

via Anonymous Germany @Twitter.

Open Source-Überwachung

Der britische Geheimdienst GCHQ (das Gegenstück zur US-amerikanischen NSA) hat seine Datenbank auf dem Filehostingdienst Github veröffentlicht. Nein, nicht die Daten in der Datenbank. Nur seine Spionagesoftware namens „Gaffer“, mit der große Mengen an Daten gespeichert und abgerufen werden können.

gchq_github

Gaffer is a framework that makes it easy to store large-scale graphs in which the nodes and edges have statistics such as counts, histograms and sketches. These statistics summarise the properties of the nodes and edges over time windows, and they can be dynamically updated over time.

Ist das ein gutes Zeichen? Soll ich jetzt beruhigt sein, weil ich sehen kann, wie die Daten, die der GCHQ über mich hat, abgelegt sind? 😦