Was hatten wir schon lange nicht mehr?

Na, wer weiß es? Richtig, Plagiatsvorwürfe.

Diesmal hat es jemanden getroffen, der sich selbst „Der Poet“ nennt. Der hat auf Facebook und Instagram mehr als 100.000 Fans und verbreitet dort Sprüche mit Lebensweisheiten. Außerdem hat er zwei Bücher mit diesen gesammelten Sprüchen veöffentlicht. Kürzlich fiel einigen Twitter-Usern auf, dass „Der Poet“ ihre Tweets kopiert hatte und als seine eigenen Gedanken ausgab. (Er machte sich nicht mal die Mühe evt. vorhandene Rechtschreibfehler zu korrigieren.) Beschwerden und kritische Fragen über seine Vorgehensweise wurden mit Löschung der Kommentare, Blockierung und Drohungen über rechtliche Konsequenzen beantwortet.

Man kann über Tweetklau denken, was man will. Rechtlich gesehen ist es eine Grauzone. Wirklich unschön wird es, wenn sich jemand damit eine goldene Nase verdient. So kam es, dass der Deutschlandfunk das Thema aufgriff. Soweit, so gut erstmal.

Doch dann eskalierte das ganze noch weiter (woran ich nicht ganz unschuldig bin), als heraus kam, dass „Der Poet“ komplette Seiten aus Büchern englischsprachiger Autoren ins Deutsche übersetzt hat, ohne auf den Urheber hinzuweisen. Eine Autorin hat vor, Klage einzureichen.

Oben: Übersetzung von „Der Poet“, Unten: Originaltext von Rania Naim

Mittlerweile ist eine ganze Schar von Usern mit der Quellensuche beschäftigt – und es gibt ständig neue Funde. Tja, dumm gelaufen. Wer heutzutage immer noch glaubt, dass das, was man im Internet treibt, nicht nachverfolgbar wäre, muss besonders dämlich sein.

PS: Jetzt ist der Fall auch schon beim Focus angekommen.

PPS: So, ich konnte einfach nicht widerstehen. Das muss auch noch rein:

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Raubkopierer-Terrorist der Woche

Der diesjährige Gewinner des Kreativitäts-Wettbewerbs für die Definition des Begriffs „Terrorist“ ist der US-Bundesstaat Georgia:

The State of Georgia in the US is suing the owner of the Public.Resource.org website for publishing the State of Georgia’s own laws online.

According to the lawsuit [PDF] filed this week, Carl Malamud has „engaged in an 18 year long crusade to control the accessibility of U.S. government documents by becoming the United States’ Public Printer.“

Although an alternative reading could be that he was simply publishing public laws on the internet.

The Register

Das geht ja nicht, dass die Bürger sich im Internet über ihre eigenen Rechte informieren können.